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Theorie

Entwurf-Modell-Bühne

Über ein Zwischending
von Jörg Mihan

Die traditionelle Theaterarbeit, die es besonders im deutschsprachigen Raum nahezu flächendeckend zu betrieblicher Vollkommenheit gebracht hat, sieht im Bereich Ausstattung auf dem Weg vom Entwurf zur Bühne eine Zwischenstation vor: das Bühnenbildmodell.

Dieses unschöne Wort bezeichnet etwas sehr Schönes und Zweckmäßiges, nämlich die Vorwegnahme des Resultats, das miniaturisierte Ergebnis von Ideen und Plänen, quasi das Versprechen auf das zu Erwartende. Wem nützt diese vorläufige „Bastelarbeit“?

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Allen möglichen und allem möglichen, lautet die Antwort.
Alle mögliche sind Intendant, Regisseur, Dramaturg, Leiter von Technik und Werkstatt und Arbeiter in Werkstatt und Theater, die die Dekoration bauen und einrichten müssen. Alles Mögliche ist, dass es zur Anschauung dient, einen Vorgeschmack im kleinen Maßstab auf den großen, echten Genuss bietet, ein Testlabor für die Inszenierung abgibt und schließlich zum Vorbild für die Anfertigung wird.

Steht das Modell vorm Inszenierungsteam, dann wird darin gespielt, darüber beraten, werden Änderungen verabredet, Lösungen geprüft. Steht das Modell vor der Theaterleitung, dann löst es konzeptionelle Fragen und Kostendebatten aus. Steht das Modell vor den Schauspielern, dann regt es Ideen an oder treibt Flausen aus. Steht das Modell vor der Technik und den Handwerkern, dann geht’s um die Machbarkeit und Sicherheit und all das Knifflige, das die künstlerischen Erfinder außer Acht gelassen haben. Ist das Modell danach noch heil, steht es vielleicht eines Tages in einer Ausstellung über Theaterarbeit – oder es landet zum Recyceln in einer Ecke im Atelier.

Das Bühnenbildmodell ist ein Verständigungsmittel und ein eigenständiges Kunst-Hand-Werk. Wer baut so etwas?

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Brecht hatte seinerzeit einen Tischler, der es zu Ruhm gebracht hat, weil er für sämtliche Inszenierungen des Berliner Ensembles die Modelle baute. Toni Schubert hieß der gute Mann, und allen die Ihn kannten fliegt ein bewunderndes Lächeln ins Gesicht. Im Selbstverständnis dieses Theaters als einer „Großen Produktion“ wurden die Modelle schließlich im Zuschauerbereich aufgehängt, wo sie Staunen erregten und eine bestimmte Art zu arbeiten dokumentierten.
Schon lange kann sich ein Theater keinen eigenen Modellbauer mehr leisten. Diese Arbeit übernehmen die Bühnenbildner selbst oder überlassen es ihren Assistenten, die immer häufiger junge Bühnenbildner mit Diplom sind. Was braucht man dafür?

Szenisches Denken, Einfühlungsvermögen, theater-
geschichtliche und technische Kenntnisse, Erfahrungen mit Material und Farbe, geschickte Hände und Geduld.

Wer sich darauf spezialisiert, ist ein Nach- und Mit-Schöpfer. Er baut etwas zum Zwecke von und hinterlässt nach der Zweckerfüllung etwas an sich. Er hat diese Welt zwar nicht erfunden, aber er hat sie modelliert, er empfängt die Anregung aus einer Hand und gibt sein Werk an viele Hände weiter. So erlangt er, wenn’s wohlgeraten ist, Wertschätzung von allen Seiten. Freilich, den Applaus kriegen die, die in der Ver-
größerung seines Modells spielen. Und so soll es sein.

Ein BühnenBildModellBauer ist ein Experte, der baut, was andere erfunden haben und wieder andere ausführen werden. Er muss für diesen Auftrag kreativ und kommunikativ, genau und phantasievoll, konsequent und flexibel sein. Er muss die
Theatersprachen beherrschen und übersetzen, und er muss sich auf verschiedenste Ästhetiken und Temperamente einlassen können.

Auch im Zeitalter der Vernetzung und Computersimulation ist dieser altmodische Beruf unersetzlich, weil er etwas gegenständlich und sinnlich vor- und aufbereitet, womit man spielen darf und woran man veranschaulicht, was man vorhat.

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